Sprachkonzept für jedermann/frau

Es ist ganz einfach: Flüchtlinge, die in Arbeit oder Ausbildung sind, merken sehr schnell, dass ihre Sprachkenntnisse doch sehr eingeschränkt sind. Speziell im Berufsschulunterricht, wenn es zum Beispiel um Aufgaben oder Erklärungen in Textform gibt, stoßen sie an ihre Grenzen. Daraus entwickelt sich oft eine Betroffenheitsmotivation, die es zu nutzen gibt. Daraus hat sich nachfolgendes Kurskonzept ergeben, welches gerade auch von Nichtpädagogen leicht umgesetzt werden kann. Ein Studium ist also nicht erforderlich, aber viel Geduld und das Bemühen, klar und deutlich zu sprechen.

Organisatorische Vorüberlegungen

Räumlichkeiten:

Viele Betriebe verfügen über Konferenz- oder gar Schulungsräume. Hier lohnt sich eine Anfrage, ob diese Räume auch nach Feierabend für den Kurs genutzt werden können. Als Alternative bieten sich Schulen vor Ort oder auch Räumlichkeiten der Kirchengemeinden an.

Finanzen:

Die Stiftung "Stiftungen helfen" (http://www.stiftungen-helfen.de) bietet hier sehr unbürokratische Hilfe  an. Ein kurzer Antrag, gestellt auf der Homepage, mit einer Kurzbeschreibung  des Vorhabens genügt schon für eine Unterstützung bis zu € 500. Gedacht für Lehrgangsmaterialien, Mietkosten usw., nicht aber für Fahrtkosten, Ein Nachweis wird nicht gefordert, aber ein paar Bilder aus dem Kurs sind sehr willkommen.

Lehrgangsmaterialien:

Da es sich nicht mehr um Kinder handelt, fallen fast alle Grundschulmaterialien aus. Ein Lesebuch über Hase und Igel z.B. fällt daher aus. Es bieten sich Zeitungen an, die auch immer wieder Kurzmeldungen über die Flüchtlingsproblematik beinhalten. Meistens sind die Verlage, wie z.B. die MK Kreiszeitung (https://www.kreiszeitung.de/)  gerne bereit, nicht aktuelle Freiexemplare für diesen Zweck kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Bereitgestellt sollten für jeden Teilnehmer ein Vokabelheft, ein Schreibheft mit Linien (Linie 1) sowie ein Schreibstift (Besser nicht Kugelschreiber), geordnet in einem verschließbaren, transportablen  Handaktenordner. Ein Scrabble ist  für spielerischen Umgang empfehlenswert. Eine Vorlage über die Schreibschrift sollte ebenfalls für jeden als Kopie zur Verfügung stehen. Hier sollte z.B. aus dem Internet eine vereinfachte Ausgangsschrift oder eine geschriebene Druckschrift ausgesucht werden.

Teilnehmer:

Die Teilnehmerzahl sollte 6 nicht übersteigen. Darüber hinaus ist eine individuelle Förderung kaum möglich, es sei denn, ein zweiter Trainer steht zur Verfügung. Die Gruppe sollte nicht aus Analphabeten und Schreibkundigen gemischt bestehen. 

Zeiten:

Ein fester Wochentag mit einer festen Zeit z.B. nach Feierabend ist erforderlich. Ein Umfang von 1 1/2 Stunden sollte nach der Arbeit nicht überschritten werden. Ggfls. ist auch ein Samstag mit den Teilnehmern zu vereinbaren. Es sollten schon mindestens 10, besser 15 bis 20 Termine eingeplant sein. 

Vorbereitung des Trainers:

Eine Erinnerungs-Mail bzw. WhatsApp ein Tag vorher hat sich als sinnvoll erwiesen. Gleichzeitig sollte für jeden Teilnehmer ein Zeitungsexemplar besorgt werden. In diesem sollten passende Kurzmeldungen markiert und numeriert werden. Je nach Lernfortschritt sollten Worte mit Dehnungen, Umlauten, scharfen oder weichem S  usw, bereitgehalten werden, um diese dann in Partnerarbeit mit Scrabble zu legen.

Kursablauf (beispielhaft):

Nach der Begrüßung werden die Zeitungen verteilt.

Der Trainer liest mit bester Betonung und langsam zum Mitlesen jeden einzelnen Artikel (also max. 6) laut vor.

Danach werden die einzelnen Artikel den Teilnehmern zugeordnet. Deren Aufgabe ist es, unbekannte Wörter ins Vokabelheft einzutragen und mit Hilfe derer Handys eine Übersetzung in ihrer Muttersprache dazu zu schreiben.  Der Text sollte dann mehrfach leise gelesen werden. Danach einmal laut in der Gruppe vortragen, Hilfen und Korrekturen vom Trainer sind notwendig für eine korrekte Aussprache. Nicht Schnelligkeit sondern Genauigkeit ist das Ziel. Dann soll der Teilnehmer mit eigenen Worten den Sinn beschreiben. Als nächstes schreibt jeder in Schönschrift nach der Vorlage den Artikel ins Heft. Oftmals auch schon als Hausaufgabe. Diese Abschrift sollte vom Trainer korrigiert und vor allem gelobt werden.  Auch beim Lesen und Wiedergeben ist ein Lob trotz Verbesserungen immer wieder notwendig. I.d.R. sind die 1 1/2 Stunden schon längst um. Das o.g. Scrabble Spiel kann am Anfang (als Warmup) oder auch am Ende als spaßige Ausklang eingesetzt werden. 

Die nächste Lektion beginnt mit dem Vorlesen der Hausaufgabe aus dem Heft (Überprüfung der eigenen Lesbarkeit). Danach wie oben beschrieben. 

Wichtigste Lernziele sind

den Wortschatz zu erweitern,

Lernen fremde Texte zu verstehen mit der oben beschrieben, eingeübten Technik

Umgang mit Vokabelheft zum Übern, Nutzen des Handys zum Übersetzen

Bewusst verzichtet wird auf grammatikalische  Korrektheit, die sich später durch Hören. Lesen  und Nachsprechen mehr oder weniger von alleine einstellt oder auch zur Verständigung nicht zwingend erforderlich ist.

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Beispiel einer Schriftvorlage
Grundschrift.docx
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