Nachbarn von Flüchtlingen

berichten von ihren Erfahrungen


Gespräche mit Nachbarn von Flüchtlingsunterkünften über deren Erfahrungen mit ihren neuen Nachbarn. Erfahrungen sowohl in positiver wie in negativer Hinsicht waren gefragt. Aus Gründen des Datenschutzes werden hier nicht die Namen und deren Adressen genannt. Sie sind uns aber natürlich bekannt. Hier die ersten Interviews:

Die Nachbarinnen Frau W. und Frau P.

Heiners Fragen

Seit wann wissen Sie denn über Flüchtlinge Bescheid?

 





Haben Sie denn jemals daran gedacht, so hautnah davon betroffen zu sein?


Und dann plötzlich bekamen Sie Post von der Stadtverwaltung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist ja auch durchaus verständlich. Fremde Kultur, fremde Sprache, und überhaupt sind diese Menschen ja ganz anders.

 

 

 

 

 

 

Das können sie aber gut annehmen. Das ist eine arabische Sitte, auch wenn man nur wenig hat, das Wenige wir geteilt.

Wie sieht es denn mit der deutschen Sprache aus? Hören Sie da schon Fortschritte?

Was wünschen Sie sich denn so als Nachbarn, wie es weitergehen soll?

Die Antworten von Frau W. (W) und Frau P. (P)

W.: Das kommt doch dauernd im Fernsehen. Über die Problematik müsste doch jeder Bescheid wissen.

P.: Das ist ja wirklich grausam, was für Bilder da man sieht. Einfach schrecklich. Was müssen diese Menschen eine Not haben, um all das auf sich zu nehmen.

W.: Da haben wir nie darüber nachgedacht oder gar geredet.

P.: Nö, das war ja alles so weit weg im Fernsehen.

W.: Ja, eine Einladung ins Rathaus. Wir sollten informiert werden dass wir neue Nachbarn bekommen sollten. Eine Gruppe Flüchtlinge sollte neben uns einziehen, so stand es in der Einladung. Natürlich waren wir neugierig. Deshalb sind wir ja auch gekommen.

P.: Auf dem Heimweg vom Rathaus haben wir Nachbarn dann drüber geredet. Die Meinungen waren sehr unterschiedlich.

W.: Und sind es ja heute auch noch. Nicht, dass irgendwer fremdenfeindlich sei, aber auf Distanz sind heute immer noch einige.

P.: Anders ja, aber irgendwie auch nett. Natürlich hapert es mit der Sprache, aber wann immer wir uns sehen, wir reden mit Händen und Füßen. Es kommt immer dabei rüber, dass es sehr offene Menschen sind.

W.: Und wir sind auch schon eingeladen worden auf ein Glas Tee z.B.

P.: Aber das mochten wir nicht so recht, wir wissen doch, dass sie kaum Geld haben.

W.: Ja, durchaus. Aber das ist bei denen auch sehr unterschiedlich. Die einen mehr, die anderen weniger.

P.: Aber alle wollen sich mit uns irgendwie unterhalten, auch wenn es noch nicht so klappt.

Beide: Dass es so bleibt. Es sind friedliche, nette Nachbarn. Hoffentlich dürfen sie bleiben. Sie freuen sich auch schon sehr auf die Schule. Und wenn es dann auch noch mit einer Ausbildung klappen könnte – gewillt sind sie ja und wir glauben, das haben sie auch verdient


Es war ein sonniger Nachmittag mit fast afrikanischen Temperaturen in einer sehr netten Atmosphäre...


Familie K. wohnhaft in Sulingen

Heiners Fragen

Herr K. wie haben Sie denn davon erfahren, dass Sie neue Nachbarn bekommen sollen.

 

Herrn K.'s Antworten

Eigentlich gar nicht, wir sind total überrumpelt worden. Ich war wohl beim Arzt und kam nach Hause, und da standen Sie mit den Vermietern und 2 schwarzen Menschen. Und ganz ehrlich, ich war stocksauer und habe ziemlich losgeblubbert. Es gäbe doch genügend andere, die hier einziehen könnten usw. Das haben Sie ja bestimmt noch gut in Erinnerung.


Ja, das war ziemlich heftig und richtete sich gegen die neuen Bewohner – die das aber nicht mitbekommen haben. Aber Ihre Frau sagte zu mir, dass sich das bestimmt noch geben werde. Er müsse seinen Frust erst mal loswerden.

Ja so ist das mit mir. Ich habe in meinem Leben immer alles geschluckt, das ist mir letztlich nicht gut bekommen. Und dann kommen mal auch nicht so ganz richtige Statements heraus.


Wie ist denn heute – nach ca. 4 Wochen – Ihre Meinung?

Eigentlich wieder ganz normal. Da gibt es zwei wesentliche Momente, die meine Einstellung grundsätzlich veränderten. Ich erinnerte mich an meine Kindheit. Auch ich war eine Art Flüchtling. Ich bin sogar während meine Kindheit oft deswegen gehänselt worden. Das war keine schöne Zeit. Das andere war, dass die beiden bei uns geklingelt haben und sich als die neuen Nachbarn vorgestellt haben. Es war ziemlich holprig mit der Verständigung, wir kratzten unser Schulenglisch zusammen, ansonsten mit Händen und Füßen. Das klappte unerwartet gut. Und wir gewannen einen ersten Eindruck – und der war durchaus positiv.

Die beiden sind sehr freundlich, grüßen immer, auch mehrmals am Tag, eigentlich immer wenn wir uns sehen. Sie sind sehr höflich und entgegenkommend, ja, und immer gut drauf.


Das höre ich gerne. Ich habe Ihnen ja gesagt, warten Sie erst einmal ab, das sind zwei ganz nette Jungs.

Stimmt! Und das schöne ist, wir merken, wie ihre Deutschkenntnisse immer besser werden. Und es sind sehr saubere Menschen. Sie sehen immer gepflegt aus, haben keine abgerissene oder schmutzige Kleidung, eigentlich alles sehr ordentlich.


Ja, die Kleidung ist oftmals gespendet. Ebenso wie auch die Fahrräder. Ihr ganzer Stolz.

Das merkt man. Jeden Samstag ist Putztag. Ihre Fahrräder werden topgepflegt. Und die Sache mit der Mülltrennung und der Müllabfuhr klappt auch. Genauso wie der Putzdienst im Treppenhaus. Und der Ältere hat schon gefragt, ob er denn nicht bei der Gartenarbeit helfen könne.


Apropos Arbeit: Sie wissen vielleicht, dass viele unserer Asylbewerber wie auch diese beiden, beim Bauhof arbeiten. Wissen Sie eigentlich, wieviel sie verdienen?

Nein, keine Ahnung. Doch sicherlich den Mindestlohn.


Das wäre schön. Eigentlich dürfen sie nicht arbeiten, nur gemeinnützige Tätigkeiten ausüben. Und dafür gibt es keinen Lohn, nur eine Anerkennung von gerade mal 1.05 € pro Stunde. Das ist so im Asylbewerberleistungsgesetz geregelt. Einer regulären Arbeit dürfen sie auch nicht nachgehen, dazu bedarf es besonderer Genehmigungen. So sind sie eben auf ihre rund knapp € 300 pro Monat angewiesen – für Essen, Kleidung, Freizeit, Fahrkarten usw. Auch ihr Handy – eine unverzichtbare Verbindung nach zu Hause – muss davon bezahlt werden.

Was wünschen Sie sich denn für Ihre gemeinsame Zukunft in der Nachbarschaft?



Ich denke, wir können gut Freunde werden. Dazu müsste die Sprachbarriere überwunden werden und ich wünsche mir, dass die Jungs hierbleiben können. Die sind nicht verkehrt. Und wenn sie demnächst dann zur Schule gehen, wünsche ich ihnen viel Erfolg, ich hoffe es mündet dann in eine Ausbildung.


Frau K. nickt, sie ist eine ruhige Vertreterin, die alles erst einmal auf sich zukommen lässt. Auch sie wünscht sich für die beiden eine gute Zukunft, warum nicht in Sulingen.

Es war ein angenehmer Nachmittag. . .