Flüchtlinge

Zahlen, Daten & Fakten


Wer ist ein Flüchtling?

Als Flüchtling gilt nach der Genfer Flüchtlingskonvention eine Person, die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will“.


Eine Erweiterung dieser Definition erfährt der Umstand der Binnenflüchtlinge. Damit werden  Menschen beschrieben, die zwar ebenfalls auf der Flucht sind, also nicht mehr in ihrem angestammten Umfeld leben, jedoch das Staatsgebiet nicht verlassen (können).  Als aktuelles Beispiel sei hier Syrien genannt.


Unabhängig hiervon ist der Begriff Asylant. Hierbei handelt es sich um Menschen, die aufgrund ihrer Flucht in einem anderen Land um Schutz nachsuchen. Hierzu stellen sie einen Antrag auf Asyl. Somit sind sie Asylbewerber. Wird dem Antrag gemäß den nationalen Bestimmungen des Landes stattgegeben, so sind sie Asylanten. Sie haben somit ein Recht in dem Land zu leben. Wird der Antrag abgelehnt, so müssen sie das Land verlassen. Allerdings kann das Land aufgrund sozialer Härten gemäß den landesspezifischen Bestimmungen eine Duldung aussprechen. Eine Einbürgerung ist im Gegensatz zu den anerkannten Asylanten nicht möglich.

Warum flüchten Menschen aus Ihrem angestammten Umfeld?

Nach der Genfer Flüchtlingskonvention sind die Ursachen Verfolgung mit der Bedrohung für Leib und Leben. Die Bedrohung muss nicht zwangsweise vom Menschen direkt ausgehen (z.B. körperliche Gewalt), sondern kann auch als Folge von indirekten Eingriffen in das Leben bedeuten (z.B. Abholzung des Regenwaldes, Klimawandel aufgrund menschlichen Handelns), das bedeutet, dass das angestammte Umfeld ein gesichertes Leben nicht mehr gewährleistet.


Flüchtlinge können generell verschiedenen Gruppen zugeordnet werden. Überschneidungen sind hierbei möglich. Hier eine Auflistung:


Kriegsflüchtlinge

Hier wird nicht unterschieden zwischen Bürgerkrieg (z.B. ISIS aus vermeintlich religiösen Vorstellungen im arabischen Raum,  Boko Haram in Nigeria, Stammesfehden wie z.B. Darfur / Sudan, Befreiungskrieg in Eritrea) oder bewaffneten Konflikt verschiedener Staaten (Beispiele sind der Irakkrieg gegen Kuweit, Golfkrieg, Tschetschienkrieg, Vietnamkrieg). Die Liste lässt sich leider beliebig verlängern.


Binnenflüchtlinge

Hierbei handelt es sich um Menschen, deren Umfeld durch Krieg (also Überschneidungen sind möglich) oder anderer Einflüsse nachhaltig so gestört ist, dass ein gesichertes Leben nicht mehr möglich ist. (Bombardierung deutscher Städte im 2. Weltkrieg und der Flucht aufs Land).

Umwelt- bzw. Klimaflüchtlinge: Die Ursachen hierfür können sowohl natürlichen Ursprungs (z.B. Erdbeben, Überschwemmungen, Desertifikation, Wirbelstürme, Anstieg Meeresspiegel) als auch von Menschen verursacht sein (z.B. Degration (lokale Umweltzerstörung, Abholzung), Überfischung, Landaufkauf von Agrarindustriellen).


Elends- und Wirtschaftsflüchtlinge

Diese Gruppe der Flüchtlinge ist die umstrittenste. Menschen mit geringem Lebensstandard verlassen ihr angestammtes Umfeld um sich in einem anderen Umfeld vermeintlich zu verbessern. Dabei wird nicht unterschieden, ob die Menschen sich aktiv (z.B. durch Arbeit) einbringen wollen oder der Meinung sind, sich in soziale Netze einzuleben.


Die beiden letzteren Gruppen werden von vielen Staaten nicht als „Flüchtlinge“ anerkannt, sondern als „illegale Einwanderer“ bezeichnet, die dementsprechend auch keinen Anspruch auf Asyl haben.

Flüchtlingszahlen Weltweit

Verfolgung, Krieg und Armut zwingen so viele Menschen wie nie zuvor, ihre Heimat zu verlassen. Statistisch gesehen sucht derzeit jeder 113. Mensch auf der Erde Asyl, ist Flüchtling oder binnenvertrieben. Weltweit sind  65,3 Millionen Menschen auf der Flucht. Das entspricht etwa der gesamten Einwohnerzahl Frankreichs oder Großbritanniens.

Zwölf Monate zuvor waren es noch 59,5 Millionen Flüchtlinge; erstmals sei im vergangenen Jahr die 60-Millionen-Marke überschritten worden. Laut den UN-Angaben waren 40,8 Millionen als Binnenflüchtlinge im eigenen Land auf der Flucht.  

 

Die sieben größten Herkunftsländer von Flüchtlingen sind (Flüchtlingszahlen in Mio.)

Wer nimmt die meisten Flüchtlinge auf?


Anteil der Flüchtlinge an der gesamten Bevölkerung

Das Dubliner Abkommen

Das Dublin Abkommen ist mittlerweile mehrfach modifiziert worden und ist nun gültig als Dublin III. Verkürzt besagt das Abkommen, dass Flüchtlinge, die in der Europäischen Union ankommen, in dem Land Asyl zu beantragen haben, welches sie als erstes in der EU betreten. Das bedeutet, das faktisch nur wenige Länder, nämlich Griechenland, Bulgarien (Ostroute), Malta, Italien (Mittelmeerroute) und Spanien (Westroute) Flüchtlinge aufzunehmen hätten. Legale Flüchtlingswege z.B. über Flüge o.ä. sind nicht möglich. Vor diesem Hintergrund versuchen viele Flüchtlinge ohne Registrierung durch die Polizei in den Erstaufnahmeländern den Weg möglichst unerkannt in weitere Länder zu schaffen – oftmals auch mit Duldung oder gar Förderung durch die zuständigen Behörden. Die o.g. Länder versuchen nun schon seit Jahren, das Dublin Abkommen durch eine Quotenregelung zu ersetzen, scheitern aber an der Mehrheit der EU-Staaten, bislang auch Deutschland.


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